Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

=========================================

Seite 66

Schade, daß ich nicht teilnehmen kann! Die Kerle würde ich gern mit dingfest machen. Das müßte eine tolle Jagd werden.

Tapirbraten um Mitternacht

Der Arriero forderte mich auf, mit ihm nach den Mulas zu sehen. Auf der mondbeschienenen Weide war keins mehr zu erblicken. Aber dort drüben im Dunkel unter den Bäumen - dort grasten sie vollzählig. Ein Glück! Als wir zur Posada zurückkamen, war ein Soldat dabei, im Freien ein mächtiges Feuer zu machen. Die anderen beiden waren zurückgeritten, um ihre Jagdbeute zu holen. Sie hatten einen Bergtapir erlegt. Mehrere Zentner schwer war das Tier. Sie säbelten deshalb nur einen Schinken und ein paar handfeste Koteletts ab und kamen bald mit den gewaltigen Fleischportionen zurück. Es wurde noch ein zünftiges Festessen in dieser Nacht. Das Feuer prasselte. Das Fett tropfte in die Flammen. Uns lief das Wasser im Munde zusammen. Als der Braten fertig war, haben wir alle kräftig 'reingehauen. Dann machte eine Chichaflasche die Runde. Die Nacht war warm. Der Mond goß sein silbernes Licht über die schlafende Landschaft. Der Schrei eines Nachtvogels - sonst Stille ringsum. Von der Chicha leicht benebelt, gingen wir schlafen, der Arriero und wir schliefen in Hängematten. Die Soldaten hatten sich auf den Lehmboden gelegt und schnarchten, daß die Bretterwand der Posada wackelte.

.

Degenschlucker und Schlangenbeschwörer

Wenn ich an unser Abenteuer mit dem braven Arriero zurückdenke, kommt mir's doch seltsam vor, daß wir heute in einem der vielen Cafes in Bogota sitzen. Was für Gegensätze in diesem Kontinent! Obgleich es schon auf Mitternacht geht, laufen draußen auf der Straße immer noch Indianer mit schweren Lasten vorbei. Morgen ist Markttag; sie wollen zeitig da sein. Was schwankt denn da drüben eben vorbei? Ein richtiger Turmbau auf zwei Beinen: ein Indianer mit großen, übereinandergestellten Körben auf dem Rücken. Die Körbe stecken voller Federvieh, das schläfrig hin und her nickt. Im Cafe ist eben ein Schlangenbeschwörer erschienen. Er öffnet den Deckel eines Kastens, aus dem die Schlange hervorzüngelt.

.

Vor einer halben Stunde war ein Degenschlucker da und führte seine Künste vor. Onkel Tom bemüht sich, eine Zigeunerfrau wieder loszuwerden, die sich an unseren Tisch gedrängt hat und ihm aus der Hand wahrsagen will. Wir müssen lachen: ausgerechnet dem guten Onkel Tom, der an so etwas bestimmt nicht glaubt!

Indianer halten Winterschlaf

Von einem seltsamen Indianerstamm ist uns heute in der Stadt erzählt worden. Im Nordosten des Landes soll er hausen.

 Bildrückseite 88

 Bildrückseite 89